Zähneknirschen: woher kommt es und was hilft?

Volkstümliche Sprichwörter sind oft ein sehr guter Beweis dafür, dass die Menschen auch schon früher, ohne große wissenschaftliche Studien wussten, dass seelische Krankheiten oder Nickeleien sich oft in körperlichen Symptomen nach außen darstellen.

Das Zähneknirschen ist so ein Beispiel.

„Zähneknirschend willigte er in das Angebot ein, obwohl er mehr erwartet hatte.“ Aus diesem Satz geht hervor, dass jemand etwas tut, was ihm völlig gegen den Strich geht, was er lieber nicht tun will, aber aus irgendeinem Grund gezwungen ist, sich auf etwas einzulassen, was er nicht möchte. So etwas nagt an der Seele, am Gerechtigkeitssinn, das kann belasten und oft werden Situationen, von denen man glaubt, dass man sie ohnehin nicht ändern kann, schlicht ins Unterbewusstsein verdrängt.

Und genau dieses Verhalten, etwas tun zu müssen, was man nicht tun will, kann ein Grund für nächtliches Zähneknirschen sein. Die Gründe dafür sind natürlich vielfältig. Sie können privater oder beruflicher Natur sein, sie können akut sein oder auch schon Jahre zurückliegen. Erst im Schlaf kommt vieles aus dem Unterbewusstsein hoch und ruft Gefühle hervor, die Zähneknirschen auslösen können.

Zähneknirschen ist keine harmlose ‚Macke‘

Nun könnte man das Zähneknirschen als lästiges Übel abtun.

Tatsächlich ist es gar nicht so harmlos, wie man vielleicht meint. Denn erstens leidet natürlich der Zahnschmelz auf Dauer unter der ständigen Reibung und es kann zu Kieferschmerzen und entzündeten Zahnwurzeln bis hin zum Zahnverlust kommen. Zweitens sollte eine seelische Belastung, die zu dauerhaftem Zähneknirschen führt, ein guter Grund sein, gemeinsam mit einem Spezialisten herauszufinden, was man da Nacht für Nacht ‚zermalmen‘ möchte, wenn es denn psychische Gründe hat. Beide Ursachen können zudem noch zu Verspannungen in der HWS und im Nacken führen, die Ohren in Mitleidenschaft ziehen und zu heftigen Kopfschmerzen führen, die einem dann auch noch den Tag erschweren.

„Beiß mal die Zähne zusammen“:
Manchmal ein schlechter Rat, wenn man vor unbewältigten Aufgaben steht.

Beruht das Zähneknirschen auf anatomischen Besonderheiten der Kiefer- und Zahnstellungen, kann ein Besuch beim Zahntechniker sicher helfen. Moderne Untersuchungsmethoden wie z. B. das Biofeedback (weiterführende Infos hier), bringen meist schnell die Ursache an die Oberfläche. Mit entsprechenden Hilfsmitteln lassen sich anschließend so ziemlich alle Probleme im Zahn- und Kieferbereich über relativ kurze Zeit richten. In den meisten Fällen kann nach ein paar Monaten konsequenter Therapie, die selten mit Behandlungsschmerzen verbunden ist, wieder entspannt der Nachtruhe entgegengesehen werden.

Wichtig ist einfach, dass man das Zähneknirschen nicht auf die leichte Schulter nimmt, es ernst nimmt und den Gang zum Hausarzt, zum Zahnarzt oder zum Psychotherapeuten wagt. Denn, wie sagt der Volksmund aus Erfahrung: „Wer wagt, gewinnt!“

Foto: Benjamin Thorn  / pixelio.de